Ich bin Paula Lo Martire

„Ich weiss, wie es ist, stark zu sein, alles zu tragen — und nachts leise zu zerbrechen."
Die Ankunft
Ich bin mit sieben Jahren mit meinen Eltern von Chile in die Schweiz gekommen. Es war ein kalter, grauer Dezembertag. Ich konnte die Sprache nicht, ich kannte niemanden, und plötzlich hiess Leben: ankommen, funktionieren, mithalten.
Ich war die Älteste von drei Kindern. Meine Eltern konnten kaum Deutsch — und ich wurde viel zu früh erwachsen. Ich übersetzte, erklärte, trug Verantwortung. Für mich. Für meine Eltern. Für meine zwei kleinen Brüder. Als Kind war ich kreativ, voller Lebensfreude, ich liebte es zu zeichnen und Menschen zu helfen. In der Schule war ich gut. Ich hatte dieses Licht in mir. Und dann kam das Leben in einer neuen Welt, in der ich mich erst beweisen musste, bevor ich überhaupt gesehen wurde.
Der erste Riss: «Du bist nicht fähig.»
Als ich meine Lehre als kaufmännische Angestellte begann, wurde ich behandelt wie «das grosse Mädchen für das Archiv». Aufräumen. Sortieren. Still sein. Leistung bringen. Und wenn ich nicht so funktionierte, wie man es erwartete, war es sofort mein Fehler. Damals war es noch üblicher, dass Frauen weniger ernst genommen wurden. Unterstützung gab es kaum — weder im Betrieb noch in der Schule. Und meine Eltern konnten mir nicht helfen, weil sie selbst kämpften.
Dann kam der Moment, der sich wie ein Stempel auf der Stirn anfühlte: Ich bestand die Lehrabschlussprüfung (LAP) nicht. Für andere war es «eine Prüfung». Für mich war es ein Urteil.
In meinem Kopf wurde ein Satz laut, der sich jahrelang festsetzte:
„Du bringst es zu nichts. Du kannst das nicht. Das ist normal bei dir."
Ich versuchte es nochmals. Und nochmals. Ich wollte es unbedingt ‹richtig machen›. Aber es klappte nicht. Nicht, weil mir Intelligenz fehlte — sondern weil ich innerlich schon so lange gegen mich kämpfte, dass ich mich selbst nicht mehr hören konnte. Niemand sagte mir damals: «Vielleicht ist das gar nicht dein Weg. Vielleicht liegen deine Fähigkeiten woanders.»
Also ging ich weiter. Orientierungslos. Zu verschiedenen Banken und Versicherungen. Ich war sprachlich talentiert, ich kam gut an bei Menschen, ich hatte einen grossen Freundeskreis. Und trotzdem blieb dieser innere Dämon:
„Wenn du schon nichts kannst, dann sorge wenigstens für alle anderen."

Der Absturz: Haus, Bank, Baustelle, Hotelzimmer
Ich heiratete. Ich bekam drei Kinder. Und in mir war ein grosser Wunsch: ein Zuhause bauen. Ein Haus. Ein Ort, der sich sicher anfühlt. Mutig suchte ich eine Bank und einen Architekten.
Aber der Weg war steinig — und er wurde irgendwann brutal. Die Bank wollte nicht finanzieren. Der Architekt nahm das Projekt nur auf Druck. Und dann wurde aus «Traum» langsam «Baustelle». Ein Jahr verging — und nichts wurde fertig. Die Bank fror Kredite ein. Plötzlich stand im Raum, es sei ein «Betrugs-Schein-Projekt». Der Bauleiter war weg. Ich war hochschwanger mit dem dritten Kind. Und mein Mann verlor fristlos den Job.
Dann kam der Moment, an dem unser Leben wirklich kippte: Wir hatten kein Geld. Keinen Job. Ein Haus, das nicht fertig wurde. Eine Wohnung, die wir als Übergang gemietet hatten — gekündigt. Der Vermieter verlängerte nicht. Und so wurden wir zu Nomaden. Wir zogen von Hotel zu Hotel. Bezahlt aus den letzten Ersparnissen. Die Älteste musste jeden Tag zur Schule gefahren werden, egal wo wir gerade waren.
„Du machst alles falsch im Leben. Du bringst es zu nichts."
Ich weinte jede Nacht. Aus Ohnmacht. Aus Enttäuschung. Aus Angst. Ich war gefangen in einer Opferrolle, in einem inneren Alarmzustand. Das ist Trauma: Nicht nur das Ereignis. Sondern das, was danach im Körper bleibt — dieser Dauerstress, dieses Zittern, dieses «Ich bin nicht sicher», obwohl du nach aussen weiterlächelst.
Der Wendepunkt: «Stop!»
Und dann — mitten in diesem Chaos — kam plötzlich eine andere Stimme. Eine, die nicht zerstört, sondern hält.
„Stop. Hör auf, diesem Dämon zuzuhören. Er vernichtet dich. Du bist eine starke Frau. Du brauchst Mut und Vertrauen."
Der Auslöser war knallhart: Die Bank sagte, sie stoppt die Finanzierung. Wir hätten 30 Tage Zeit, den Baukredit zurückzuzahlen — rund 750'000 CHF. Und diese Stimme sagte nur: «Geh zur Bank. Verhandle.»
Ich ging mit meinem Mann hin. Und ich sagte den Bankherren, ruhig und klar: «Ihr tragt auch Verantwortung. Nicht nur wir. Ihr habt den Bauleiter geprüft. Wir haben unsere Ersparnisse in dieses Haus gelegt. Helft uns, einen guten Bauleiter zu finden, damit wir fertigbauen können.» Ich war nicht aggressiv. Nicht hysterisch. Nicht im Vorwurf. Ich blieb bei mir. Sachlich. Konstruktiv. Lösungsorientiert. Mein Mann sagte später: «Ich habe dich nicht wiedererkannt.» Und als wir im Auto sassen, brach ich in Tränen aus — hochschwanger — nicht, weil ich schwach war, sondern weil ich plötzlich merkte, was da passiert war: Ich hatte mich zum ersten Mal nicht mehr gegen mich selbst gestellt.
„Es war Verwirrung. Erlösung. Und Angst: «Was, wenn der Dämon wiederkommt?»"

Mi Alma: Der Moment, in dem ich begann, mich zu halten
Ab da begann mein Leben mit Mi Alma. Nicht als Marke. Sondern als Entscheidung: mich besser kennenzulernen, mir zu verzeihen, für mich einzustehen, Grenzen zu setzen — und wieder zu lernen, dass ich wertvoll bin, egal was ich «leiste».
Ich habe verstanden: Bevor wir über Entscheidungen, Ziele und Leistung sprechen, brauchen wir etwas anderes. Ruhe. Im Nervensystem. So wie in dieser Gartenszene aus «Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott»: Auf den ersten Blick wirkt alles chaotisch. Wild. Ungeordnet. Aber wenn du beginnst, sanft zu gärtnern, entsteht Raum. Boden. Atem. Und dann kann Neues wachsen. Und oft ist das erste «Unkraut», das wir lösen dürfen: Selbstabwertung. Diese leise, grausame Gewohnheit, dich kleiner zu machen, als du bist.
„Ich bin genug. Und ich darf weich werden."
Warum EFT
EFT ist für mich ein Zugang, der schnell spürbar wird. Nicht im Kopf, sondern im Körper. Wenn Angst da ist, wenn der Druck zu gross ist, wenn das Nervensystem schreit — dann brauchen wir zuerst Stabilität.
„Auch wenn ich Angst habe — ich halte mich. Ich darf weich werden."
Und von dort gehen wir weiter.
Nicht gegen dich.
Mit dir.
Wenn du dich in diesen Zeilen wiedererkennst — wenn du stark bist, alles trägst, und nachts leise zerbrichst:
Komm. Wir gehen den Weg zusammen — Schritt für Schritt.
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